Quelle, rbb Nachrichten, 19.05.2013,
Karneval der Kulturen
Jury vergibt Preise für die besten Karnevalsauftritte
Vier Bühnen, hunderte Künstler und unzählige Stände mit kulinarischen Köstlichkeiten - am Pfingstmontag geht der 18. Karneval der Kulturen zu Ende. Seit Freitag hatte das Straßenfest viele hunderttausend Menschen nach Berlin-Kreuzberg gelockt.
Jury zeichnet die besten Darbietungen aus
Höhepunkt des Multikulti-Karnevals war der große Straßenumzug am Pfingstsonntag. Auch in diesem Jahr hatte am Südstern eine Jury auf die Gruppen gewartet. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer hatte sich für den Wettbewerb angemeldet. In kürzester Zeit mussten sie vor den Augen der Juroren durch Musik, Tanz und Kostüme bestechen.
Am Montagnachmittag sollen die beeindruckendsten Darbietungen ausgezeichnet werden. Dabei werden sieben Preise in drei Kategorien vergeben. Im Vorjahr hatte unter anderem eine Gruppe aus Sri Lanka für die Vorstellung "des farbenfrohen und prachtvollen Kulturerbes" ihrer Heimat gewonnen. Am Abend klingt die Multikulti-Feier beim Straßenfest rund um den Blücherplatz im Stadtteil Kreuzberg aus.
Etwas kleiner als im Vorjahr
Der große Straßenumzug am Sonntag hatte rund 700.000 Menschen nach Kreuzberg gelockt. So viele Fans von Multikulti, bunten Kleidern und Sambaklängen waren es laut Veranstalter in diesem Jahr.
Mehr als 70 Gruppen mit 4.000 Akteuren waren ab 12.30 Uhr vom Hermannplatz, über Hasenheide und Gneisenaustraße bis zur Yorckstraße gezogen - neun Stunden lang, trommelnd, tanzend und singend. Neu bei der Parade waren in diesem Jahr Gruppen aus Paraguay und Schottland.
Angeführt wurde der Umzug am Sonntag von einem "Protestbaum". Damit wollten die Teilnehmer auf ihre Geldsorgen aufmerksam machen. Viele Gruppen könnten sich nach 18 Jahren Selbstfinanzierung den hohen Aufwand nicht mehr leisten, sagte eine Sprecherin. Der Senat solle einen speziellen Fonds einrichten, bei dem sich die Gruppen künftig um finanzielle Unterstützung bewerben könnten.
Auf spärlich bekleidete brasilianische Tänzerinnen folgten Akrobaten und Jongleure. Auch ein etwa zehn Meter langer chinesischer Drache war darunter. Auch mit dabei: Mitglieder von "Veggie Culture", die als Kühe und Schweine verkleidet den "Gemüsetanz" aufführten - für eine vegane Lebensweise.
Die Berliner Hafenbar kam mit Schlagern im Gepäck. Das Funkhaus Grünau führte "Upcycling" vor, alternative Kreationen aus recycelten Materialien.
Lachen trotz Regen: Der Kinderkarneval der Kulturen.
Bereits am Samstag fand der kleine Bruder des großen Straßenumzugs statt: Beim Kinderkarneval der Kulturen feierten tausende Eltern und Kinder ein buntes Kostümfest. Trotz Regens kamen laut Veranstalterangaben etwa 9.000 kleine und große Besucher nach Kreuzberg. Einige hatten sich dann wohl doch von dem unwirtlichen Wetter abhalten lassen, denn ursprünglich waren rund 20.000 Teilnehmer erwartet worden.
Bunt geschminkt oder mit Trommeln ausgerüstet, ließen sich die kleinen Karnevalisten von Regen und Temperaturen um die 17 Grad aber nicht abschrecken. Gemeinsam zogen sie vom Mariannenplatz bis zum Görlitzer Bahnhof. Dieses Jahr unter dem Motto "Mit Trommeln und Tröten retten wir die Meeresschildkröten", um auf das Schicksal der bedrohten Tierart aufmerksam zu machen. Der Kinderkarneval ist zwar vernetzt mit dem 'großen' Karneval der Kulturen, ansonsten aber eine eigenständige Veranstaltung. Organisator ist die Kreuzberger Musikalische Aktion.
Erstmals Gruppen aus Schottland und Paraguay
2013 waren es weniger Gruppen und Teilnehmer als in den Jahren zuvor. Das liege nach Angaben einer Sprecherin am Geld: Die meisten Gruppen sagten demnach ab, weil sie die Kosten von 3000 bis 9000 Euro nicht zahlen könnten. Die Parade wirbt um Spenden - und auch für einen speziellen Fonds beim Senat, der die Ensembles unterstützen soll.
Der Umzug war Höhepunkt eines viertägigen Straßenfestes auf dem Blücherplatz, das bereits am Freitag begann. Initiator des 1996 gestarteten Festivals ist die Werkstatt der Kulturen.