Deutschland Online

28/04/2018

Quelle: http://www.fr.de/kultur/musik/kalle-kalima-im-steinbruch-der-musikgeschichte-a-1267363

Im Steinbruch der Musikgeschichte

 280417Auf Augenhöhe: Der finnische Jazzgitarrist Kalle Kalima mit seinem K-18-Quartett in der Alten Oper.Am Anfang von allem, was man hier hört, standen die Filme Stanley Kubricks. „Clockwork Orange", „2001 – Odyssee im Weltraum", „Dr. Seltsam", „Shining". Sie hatten den finnischen Jazzgitarristen Kalle Kalima schon früh tief beeindruckt, als Kunstwerke, die sich eine eigene Welt, einen eigenen Raum erschufen.

Irgendwann kam Kalima dann der Gedanke, dass man aus seinen Erinnerungen an diese Filme auch Musik machen könnte, nicht im Sinne illustrativer Begleitmusik, das wäre zu platt.

Auch nicht als Übersetzungsarbeit. Sondern auf Augenhöhe.

Also suchte er sich ein kleines Ensemble zusammen, ein Quartett, das mit den Traditionen eines Jazzquartetts allerdings nichts zu tun hat, das ohne Schlagzeug auskommt, nur Gitarre, Bass, Saxofon – und, wer braucht schon ein Klavier, als vierten im Bunde einen Akkordeonisten. Der wiederum hat sich, um alle Gewissheiten noch mehr aus den Angeln zu heben, ein eigenes Akkordeon gebastelt, ein Vierteltonakkordeon, um genau zu sein, mit dem man mühelos durch mikrotonale Zwischenwelten mäandern kann.

K-18 nennt Kalima dieses Quartett, ein finnisches Kürzel, das Filme kennzeichnet, die nur Erwachsene sehen dürfen. Ob seine Musik deshalb auch eine Musik für Erwachsene ist, ist fraglich, sie ist dafür viel zu frei, offen und verspielt, auch viel zu schlau und in einem kindlichen Sinn ganz wunderbar neugierig auf das Unerwartete, Überraschende.

Drei Filmemachern haben sich Kalle Kalima, Mikko Innanen, Veli Kujala und Ville Herrala inzwischen angenommen, neben Kubrick noch David Lynch und Luis Buñuel. Mit einem 90-minütigen Querschnitt sind K-18 nun im Mozart-Saal der Alten Oper zu Gast, als Teil einer neu gestalteten, anspruchsvoll kuratierten Jazzreihe, die an diesem Abend noch zu schlecht besucht ist, aber die Hoffnung, dass Qualität sich durchsetzt, stirbt bekanntlich zuletzt.

Denn was man hier hört, ist herausragend. Hoch komplexe, ganz genau ausgehörte, virtuose Musik, die genau diese Virtuosität nie ausstellt, sondern ganz selbstverständlich und gelassen einsetzt, oft mit einem Lächeln um die Augen, weil es allen Vieren immer auch Spaß macht, dem anderen zuzuhören. Die Musikgeschichte liegt dabei wie ein Steinbruch vor ihnen, ständig wechseln die Erzählhaltungen, die Materialien, mit denen sie jonglieren, die Stimmungen, die Genres.

Lynchs „Mullholland Drive" etwa ist eine flimmernde, flirrende, subkutan zerbrochene Verstörung. Buñuels „That Obscure Object of Desire" ist eine abwegige Skurrilität, mehr im finnischen Tango beheimatet als im zeitgenössischen Jazz. In Buñuels „Milchstraße" wiederum wird eine vielfach gebrochene, dafür umso kostbare Schönheit offenbar, die so nur wenigen gelingt. Als nächster Filmemacher müsste eigentlich Aki Kaurismäki kommen, vieles an Kalimas Musik erinnert an ihn. Doch das, sagt er nach dem Konzert im Bar-Gespräch mit Hans-Jürgen Linke, sei ihm dann doch zu nah.

 27/04/2017

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Abschalten und Tee trinken

teezeremonieSchaum in der Schale geht gar nicht: In einem Zürcher Museum hält die japanische Teemeisterin Soyu Mukai eine strenge Zeremonie ab. Die Gäste sind fasziniert.

Mit Hilfe der japanischen Teezeremonie können wir unsere innere Ruhe finden", begrüßt Teemeisterin Soyu Mukai die Gäste.Sie führt die Teilnehmer in den authentisch japanisch gebauten Teeraum des Museums Rietberg in Zürich.

Der Raum in der Remise der ehemaligen Villa Wesendonck, wo Richard Wagner zwischen 1857 und 1858 Zuflucht gefunden hatte, ist klein und schlicht eingerichtet. Es sind acht Matten ausgelegt, in einer Nische hängt eine japanische Schriftrolle, davor steht eine kleine Vase mit Blumen. Bevor die Teilnehmer den Raum betreten, müssen sich alle vor der Teemeisterin leicht verbeugen. Im Teezimmer knien sich die Gäste am Rand auf eine Matte. In der Mitte erklärt Soyu Mukai: „Alle Bewegungen, die ich mache, sind bewusst. Ich mache keine Bewegung oder Handlung per Zufall. Alles hat seinen genauen Ablauf." Sie trägt einen silbernen Kimono, der mit Blumen verziert ist. Ihre dunklen Haare sind zu einem Knoten zusammengebunden.
Respektvolle Verbeugung

 Bevor die Zeremonie beginnt, knien sich alle Teilnehmer nacheinander vor die Nische mit der Schriftrolle hin, verbeugen sich leicht und sehen sich das Gebilde in Ruhe an. Vor jeder Zeremonie wird eine Schriftrolle vom Teemeister ausgesucht, die eine zur Situation passende japanische Redewendung trägt. Mit der Verbeugung möchte der Gast seinen Respekt zeigen. Danach setzen sich alle wieder an ihren Platz. Die 58-jährige Soyu Mukai zeigt den Ablauf Schritt für Schritt. In der Mitte des Raumes befindet sich ein kleines Loch im Boden, worin sich ein Topf mit heißem Wasser über einigen glühenden Kohlen befindet. Bevor man den Tee zubereitet bekommt, erhält jeder Gast eine trockene Süßigkeit, die er vor dem Tee essen muss. Auch hier gibt es genaue Regeln, wie und mit welcher Hand man diese in die Hand nehmen muss und essen sollte. Das Papierchen, worauf die Süßigkeit gelegen hat, versteckt man irgendwo, wo man es wieder leicht hervornehmen kann, um später die Finger daran zu reinigen.
Nur ganz wenig Pulver

 Bei japanischen Teezeremonien gehört meistens ein mehrgängiges Menü dazu, dieses wird aber im Museum weggelassen. Eine original japanische Teezeremonie kann gut vier Stunden dauern. Im Museum erklärt Soyu Mukai vieles nebenbei. Um es nicht jedem Einzelnen beizubringen, zeigt die Teemeisterin mit Hilfe einer Teilnehmerin den genauen Ablauf, damit anschließend alle Gäste gleichzeitig ihren Tee genießen können. Nachdem die Süßigkeiten gegessen sind, beginnt die Zubereitung. Soyu Mukai bereitet den Tee aus einem grünen Pulver zu. Mit einem dünnen Löffel aus Holz wird dieses Pulver ins heiße Wasser gegeben. Dieser wird vor Gebrauch mit einem roten Tuch, das Soyu Mukai bei sich trägt, gereinigt. Es wird nur ganz wenig Pulver ins Wasser gegeben, da der Tee stark und konzentriert ist. In einer kleinen Teeschale werden das Teepulver und das heiße Wasser mit einem schwingbesenartigen Werkzeug aus Bambus vermischt, bis sich ein dünner Schaum auf dem Tee bildet.
Dreimal im Gegenuhrzeigersinn

 Der Gast kann nun die Teeschale auf die linke Hand legen. Mit der rechten Hand wird die Schale dreimal im Uhrzeigersinn um eine halbe Drehung gedreht. Danach kann der Tee in drei gleichmäßigen Zügen getrunken werden. „Man sollte alles austrinken. Wenn Schaum übrigbleibt, ist das unfreundlich", erklärt Soyu Mukai. Dann bedankt man sich mit einer kleinen Verbeugung, eine weitere wichtige Geste. Jedes Mal, wenn der Gast etwas vom Teemeister serviert bekommt, verneigen sich beide leicht. Nachdem der Gast den Tee ausgetrunken hat, reinigt er mit seinen Fingern die Stelle, an der er getrunken hat, dreht die Schale wieder dreimal im Gegenuhrzeigersinn und gibt die Schale der Teemeisterin zurück.
Sie hat sogar einen Professortitel

 Soyu Mukai ist vor 33 Jahren in die Schweiz gekommen. Ursprünglich kommt sie aus Kumamoto, einer Stadt auf der südlichsten der großen Inseln Japans. In Japan hat sie die Urasenke Teeschule besucht, eine der größten Teeschulen, die auch weltweit bekannt sind. „Es ist ähnlich wie das Schulsystem. Man beginnt auf der Anfängerstufe und kommt dann immer weiter." Nach 17 Jahren in der Teeschule hat Soyu Mukai den Teemeistertitel erlangt. Sie hat sich weitergebildet und einen Professortitel bekommen. „Eine Ausbildung zum Teemeister dauert etwa acht bis zehn Jahre, je nachdem, was für eine Zubereitung man lernt. Zum Beispiel gibt es Zubereitungen, die man nur im Sommer macht, somit haben die Schüler diese nur etwa achtmal gemacht."
Gesprochen wird kaum

 In die Schweiz gekommen ist sie ursprünglich als Laborantin und hat zuerst in der Krebsforschung gearbeitet. Seit 23 Jahren macht sie beim Museum Rietberg in Zürich Teezeremonien. Aber auch zu Privatanlässen führt sie solche Zeremonien durch. Außerdem bietet sie diverse Workshops an, zum Beispiel einen Kurs, wie man den Kimono richtig anzieht. „Leute kommen oft privat zu mir und wollen eine Teezeremonie für einen Geburtstag oder sonstige Feste. Einmal ist sogar ein Paar hierhergekommen und hat seine Hochzeit gefeiert." Während der ganzen Zeremonie ist es still, es wird kaum gesprochen. Die Stimmung ist entspannt und auf eine Weise meditativ. Mit dieser Ruhe kann man wieder in den Alltag zurückkehren.

von Vilma Rantanen, Kantonschule Zürcher Oberland, Wetzikon

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26/04/2017

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/uderzo-zum-geburtstag-gallier-von-format-1.3476535

Gallier von Format

indexMit seinen Zeichnungen und seinem Hang zum Slapstick verhalf Uderzo der "Asterix"-Serie genauso zum Erfolg wie Texter René Goscinny. Nun wird der Zeichner 90.

Es waren zwei klägliche Männlein, die da 1959 in der neugegründeten Jugendzeitschrift Pilote das Licht der Comicwelt erblickten. Mit mattem Blick unter halb geschlossenen Lidern und einem dünn herabhängenden Schnurrbart betrat Asterix die Szene. Neben ihm ein dümmlicher Riese mit Schweinsäuglein und ohne richtige Schultern, dessen blau-weiße Hose wenig plastisch seinen nur leicht gewölbten Leib hinunterfließt.

Erfolgreiche Comichelden sehen anders aus. Aber es musste eben schnell gehen, als der Szenarist René Goscinny und der Zeichner Albert Uderzo die "Asterix"-Serie entwickelten. Eigentlich hatten die beiden an einer Reihe um Reineke Fuchs gearbeitet, einer Verbindung von Klassischem mit Modernem. Doch kurz vor der Veröffentlichung kam ihnen ein anderer Zeichner mit der Idee zuvor - ein neuer Einfall musste her. Lustig sollte es sein und französisch, amerikanische Superhelden gab es schon genug. So kamen Goscinny und Uderzo auf die Idee mit den Galliern - und verbanden auch hier Aktualität mit zeitlosem Witz und klassischem Bildungsgut. Der Rest ist Geschichte: 1961 erschienen die ersten Abenteuer als Album, in "Asterix der Gallier". Es folgen 35 weitere Alben und mehr als 370 Millionen verkaufte Bände. Als Goscinny 1977 überraschend starb, führte Uderzo die Reihe allein weiter.

Was die Gallier so erfolgreich macht, warum sie Achtjährige ebenso begeistern wie Altphilologen, lässt sich schon in den ersten Bänden der Reihe nachvollziehen. Bereits nach wenigen Seiten - die zunächst einzeln in der Zeitschrift Pilote erschienen, weshalb es am Anfang Cliffhanger am Ende jeder Seite gab -, haben sich die müden Männchen Asterix und Obelix in Gallier von Format verwandelt. Sie sind rundlicher und gleichzeitig dynamischer geworden: die Schnauzbärte kürzer und buschiger, der Bauch (von Obelix) dicker; Asterix' Flügelhelm gibt bereits keck die Stimmungen seines Trägers vor.

 Gern wird der Erfolg der Serie vor allem dem genialen Texter Goscinny zugeschrieben. Aber Albert Uderzo, der an diesem Dienstag seinen 90. Geburtstag feiert, ist eben auch ein großer Zeichner, der Slapstick ebenso beherrscht wie den Umgang mit Sprechblasen und Typografie. Kolorierung war nie so sein Ding - kein Wunder, er ist von Geburt an farbenblind. Aber er ist ein großartiger Menschenzeichner - allein die Augen, die er seinen Figuren gibt, die Kinne oder diese Nasen! Seinen Galliern verlieh er bald nach den ersten stümperhaften Seiten die weichen, runden Formen, die Walt Disneys Figuren so populär machen, verband diese mit der Bewegungslust der belgischen École Marcinelle (mit Vertretern wie Jijé, André Franquin oder Morris). Dass Uderzo das alles draufhatte, hatte er schließlich schon vor Asterix bewiesen, etwa in der Indianer-Serie "Umpah-Pah" (ebenfalls mit Goscinny), in der viele den Prototypen von "Asterix" sehen.

 Von Martina Knoben

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24/04/2017

Quelle: http://www.kulturradio.de/nachrichten/2017/04/denkmal-fuer-den-permanenten-neuanfang.html

"Denkmal für den permanenten Neuanfang"

2017So heißt das Kunstwerk, das in den kommenden zwei Jahren auf dem Dresdner Neumarkt stehen soll.
Es sieht aus wie eine riesige Hebebühne, auf der Kopien oder Abgüsse von Denkmälern des Jugendstils und des Sozialismus montiert sind. Das Kunstwerk des Hamburger Künstlerduos Heike Mutter und Ulrich Genth wurde heute neben der Frauenkirche aufgestellt.

Über die Reaktionen der Dresdner ist bislang nichts bekannt. Das Kunstwerk, das vorher an gleicher Stelle stand, hatte zu heftigen Kontroversen geführt: Der Künstler Manaf Halbouni hatte drei syrische Schrottbusse am Jahrestag der Zerstörung Dresdens 1945 als Zeichen gegen Krieg und Terror hochkant aufgestellt.

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19/04/2017

Quelle: http://www.kulturradio.de/nachrichten/2017/04/Cervantes-Literaturpreis-fuer-Eduardo-Mendoza.html

06/04/2017

Cervantes-Literaturpreis für Eduardo Mendoza

size708x398Der Krimi-Autor wird morgen mit dem wichtigsten spanischen Literaturpreis ausgezeichnet.Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, der 74-jährige Autor verfüge über eine "literarische Sprache voller Raffiniertheiten und Ironie". Typisch für Mendoza ist ein surrealer Blick auf die Wirklichkeit, etwa in dem 1990 erschienenen Roman "Nichts Neues von Gurb".

Gurb ist ein Außerirdischer, der sich in Barcelona kurz vor den Olympischen Spielen verliert und das Aussehen bekannter Persönlichkeiten einnehmen kann. Das erlaube dem Autor, das Verhalten seiner Landsleute mit Witz und Abstand zu betrachten. Weitere Romane von Mendoza sind "Das Geheimnis der verhexten Krypta" (1978), "Die Stadt der Wunder" (1986) und "Niemand im Damensalon" (2001).Der Cervantes-Preis ist mit 125.000 Euro dotiert und wird vom spanischen Königspaar vergeben.

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Quelle: http://www.dw.com/de/radfahren-genuss-sport-und-lifestyle/a-38269385

Radfahren - Genuss, Sport und Lifestyle

16741933 303In Deutschland steigen die Temperaturen - und die Menschen auf ihre Räder. Vom rostigen Drahtesel bis zum Hightech-Pedelec: Die Deutschen sind ein Fahrrad-Volk. Der Frühling ist da - die Deutschen zieht es nach draußen. Und das am liebsten auf dem Fahrrad. Da passt es ungemein gut, dass die Bundesregierung am Montag (3. April 2017) angekündigt hat, den Fahrradverkehr zu unterstützen.

Der Bund will ab sofort die Mittel von 60 auf 100 Millionen Euro pro Jahr aufstocken, um das Fahrradwegenetz besser auszubauen. Dabei soll es vor allem um sogenannte Fahrradautobahnen gehen: Radwege ohne Ampeln und Kreuzungsverkehr, ohne parkende Autos oder Lieferwagen, die in den Städten die Radwege blockieren.

Damit soll vor allem Berufspendlern der Umstieg vom Auto auf das Fahrrad schmackhaft gemacht werden. Vor allem mit dem Boom der E-Bikes ist das Radfahren eine echte Alternative zum Stau oder zur überfüllten Bahn geworden.

Fahrradfahren - ein Lebensgefühl

Auch in der Freizeit wird das Fahrrad immer beliebter. Es gibt inzwischen viele Spielarten für jeden Geschmack und Geldbeutel. Fahrräder sind begehrte Lifestyle-Objekte geworden. Design-Läden, in denen individuelle Räder angefertigt werden, haben ebenso Hochkonjunktur wie E-Bike-Shops.

72 Millionen Fahrräder rollen durch die Republik; viele Radler haben zwei oder mehr Räder - passend für verschiedene Aktivitäten. Auch der Tourismus auf dem Fahrrad boomt, hier stecken die Kommunen gerne Geld in den Ausbau der touristischen Infrastruktur. In diesem Jahr feiert der Drahtesel seinen 200. Geburtstag und ist beliebt wie nie zuvor.

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05/04/2017

Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/45795/

Aus dem Schatten von Pina Bausch

91900Acht Jahre nach dem Tod der legendären Choreografin ist am Tanztheater Wuppertal eine Nachfolgerin gefunden. Ihre Aufgabe: Das Erbe der Vorgängerin zu pflegen. Kann das gutgehen?

Sieben Jahre hat es gedauert, aber nun ist das Wuppertaler Tanztheater bereit für die große Veränderung: Adolphe Binder wird die Intendanz übernehmen, und natürlich besteht ein wesentlicher Teil ihres Auftrags darin, das Vermächtnis der berühmten Tänzerin und Choreographin Pina Bausch zu pflegen und Rollen an jüngere Tänzer zu übergeben. Aber sie soll auch »an der künstlerischen Weiterentwicklung des Ensembles arbeiten, mit dem Mut zu unkonventionellen Schritten«, so formulierte Kämmerer Johannes Slawig die Erwartungen der Stadt an die neue Intendantin.

Pina Bausch, die mit ihrer Arbeit eine nicht dagewesene, eigene Form des modernen Tanztheaters schuf, das nun nach ihr heißt, starb vor sieben Jahren fünf Tage, nachdem bei ihr Krebs diagnostiziert wurde. Sie hinterließ damit eine Lücke, die sich niemand zu schließen traute. Immer stand die Frage im Raum: Kann jemand eine so einzigartige Person ersetzen? Dann wurde die Personalie Adolphe Binder bekannt, und eine neue Frage stand im Raum: Kann eine Managerin ein Genie ersetzen?

Adolphe Binder sagt, dass sie Pina Bausch gar nicht ersetzen möchte. Das könne niemand. Und da hilft es wohl eher, dass sie selber keine Choreographin und Tänzerin ist, sondern Kulturmanagement gelernt und als Dramaturgin und künstlerische Leiterin verschiedener Tanz-Ensembles gearbeitet hat. Sie muss nicht mit Pina Bauschs Arbeit konkurrieren, um gute Arbeit leisten zu können. Zuletzt hat Binder fünf Jahre lang als Leiterin der Danskompani Göteborg gezeigt, dass sie ein fast unbekanntes Ensemble zu internationalem Ansehen führen kann.

Für das Portrait im SZ-Magazin hat Gabriela Herpell Adolphe Binder in München, Paris und Wuppertal getroffen. Sie hat eine Frau kennen gelernt, die ständig in Bewegung ist, ohne hektisch zu werden. Eine Frau, die immerzu arbeitet, ohne dass es so wirkt. Eine Frau, die sich von kleineren und größeren Schwierigkeiten den Schwung nicht nehmen lässt. Alte Weggefährten suchen den Schlüssel zu ihrem Wesen in ihrer Kindheit zwischen Rumänien und Deutschland. Adolphe Binder sagt, ihr sei es immer um etwas mehr Freiheit und weniger Festlegung gegangen, als Frau, als Nationalität, in Liebesdingen. »Ich bin ein Dazwischen, daher kommt die Kraft – und damit manchmal auch ein Missverständnis.«

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03/04/2017

Quelle:http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/45754

»Monte Baldo« – Gardasee, Italien
Von Lara Fritzsche

91749
Wenn man schon beim Aufwachen lachen muss, weil alles so schön ist, ist man im richtigen Hotel angekommen.

Es gibt Hotels, die sind so schön, dass man sie nicht empfehlen möchte. Hotels, die einen so wunderbar aufgenommen, so hervorragend bewirtet, so umfassend verzaubert haben, dass man diesen Ort ganz für sich behalten will.

Schließlich soll dieses Hotel niemals ausgebucht sein, wenn man selbst unbedingt hin möchte – habe ich schon oft so gehört. Ich finde, das ist Blödsinn und in seinem konservativen Impetus eines Reisenden unwürdig.

Ich empfehle Ihnen also ein Hotel, in dem es absolut traumhaft ist. Genauer gesagt empfehle ich Ihnen nicht das Hotel, sondern das dazugehörige Herrenhaus aus dem späten 19. Jahrhundert (die Villa Acquarone) und dort die Zimmer im zweiten Stock (ganz oben wohnt nämlich leider der Hotelbesitzer selbst und er weiß schon, warum).

Ein Hotel, in dem ich sofort nach dem Aufwachen lachen musste, weil es so schön war: die Sonne, die durch die hohen, rundbögigen Fenster ins Zimmer fällt, der leichte warme Wind, das Geräusch der kleinen Gardasee- Wellen, wie sie am Ufer auflaufen, die pinkfarbenen Blüten, die den guss- eisernen Balkon umranken, unten das leise Klappern vom Eindecken der Frühstückstische am Ufer, das Gequake der Enten, die auf Croissantkrumen warten – das alles sieht und hört man, wenn man morgens die Augen aufmacht und abends die Flügeltüren zum See offen gelassen hat – auch das würde ich Ihnen unbedingt empfehlen.

Hotel Monte Baldo und Villa Acquarone
Corso Zanardelli 110, Gardone Riviera
Brescia, I-25083 Italien
Übernachtung ab 178 Euro im Doppelzimmer


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